Naturerlebnispfad digital

Die Stiftung Wasserkunst Elbinsel Kaltehofe bietet mit dem Naturerlebnispfad auf Kaltehofe ein umfangreiches kostenfreies Bildungsangebot an. Thematisch behandeln die interaktiven Tafeln die Geschichte und Funktionsweise der Filtrationsanlage, aber vor allem die vielfältige Flora und Fauna. Während der Schließung des Geländes zur  Eindämmung des Coronavirus haben wir hier nach und nach die Tafeln und Inhalte des Naturerlebnispfads vorgestellt und bieten diesen digitalen Naturerlebnispfad weiterhin an. Dabei geben wir auch weitergehende Informationen, verlinken Studien oder vertiefende Texte und stellen die Tafeln zum Download zur Verfügung. Wir freuen uns, Sie nun auch wieder zu Führungen auf dem Gelände begrüßen zu dürfen. Die Arbeit der gemeinnützigen Stiftung können Sie jederzeit auch mit einer Spende unterstützen.

Das Layout der Tafeln stammt von Kulturkonsulat.

Wenn nicht anders in den Fotonachweisen angegeben, gilt für alle Fotos und die Tafeln © Stiftung Wasserkunst Elbinsel Kaltehofe. Eine Nutzung ist lediglich für private Zwecke erlaubt.

Zur Übersicht der aktuelle Geländeplan:

Anmerkung: Die Ziffern auf dem Geländeplan entsprechen nicht der Reihenfolge, die wir bei unserem digitalen Rundgang gewählt haben.

1. Schwarzer Holunder

Schwarzer Holunder (Sambucus nigra) wird in Norddeutschland auch als Schwarzer Flieder bezeichnet. In Mitteleuropa ist der Schwarze Holunder sehr häufig zu finden, meist an Waldrändern oder Hecken, und wird schon sehr lange von den Menschen als Heilmittel und Farbstoff genutzt. Dem Schwarzen Holunder wurde bei den Germanen Schutz vor bösen Geistern und Blitzeinschlag nachgesagt, so dass man ihn gern vors Haus pflanzte. Nicht ratsam war es einen Schwarzen Holunder zu fällen, das sollte Unglück bringen.

Als Heilmittel gegen Erkältung hat der Schwarze Holunder nachweislich seine Berechtigung. Studien konnten belegen, dass der Saft des Schwarzen Holunder vorbeugend gegen Erkältung hilft und, sollte es doch zur Erkrankung gekommen sein, diese auch schneller wieder abklingen lässt. Die Holunderbeeren bringen Inhaltsstoffe wie Anthocyane, Mineralstoffe, B-Vitamine und Vitamin C mit, allerdings auch den Giftstoff Sambunigrin. Daher sollte der Holundersaft einmal auf mindestens 80°C erhitzt werden. Jedoch sollte der Saft nicht kochen, denn dann gehen viele von den hilfreichen Inhaltstoffen ebenfalls verloren. Süßen kann man den Holundersaft zum Beispiel mit Honig.

Download der Tafel als PDF (Hinweis: Seite 1 mit Blüten des Holunder, Seite 2 mit den Beeren)

Zum Weiterlesen:

NDR zu Holunderbeerensaft

Heilpflanzen-Lexikon der Apothen Umschau

Für Spezialist*innen

Harokopakis, E., Albzreh, M. H., Haase, E. M., Scannapieco, F. A., & Hajishengallis, G. (2006). Inhibition of proinflammatory activities of major periodontal pathogens by aqueous extracts from elder flower (Sambucus nigra). Journal of periodontology77(2), 271-279.

Ulbricht, C., Basch, E., Cheung, L., Goldberg, H., Hammerness, P., Isaac, R., ... & Weissner, W. (2014). An evidence-based systematic review of elderberry and elderflower (Sambucus nigra) by the Natural Standard Research Collaboration. Journal of dietary supplements11(1), 80-120.

2. Honigbienen

Da Honig hilft Hustenleiden zu lindern, ist er eine gute Ergänzung zum Saft des Schwarzen Holunders. Zum Hauptteil besteht Honig aus Wasser und Zucker. Er bringt aber auch B-Vitamine, Vitamin C und Mineralien wie Magnesium, Kalzium und Zink mit.

Eigentlich ist Honig aber nicht vorwiegend ein Lebensmittel für Menschen sondern für die Honigbiene. Ganz vereinfacht erklärt fliegen die Honigbienen aus und sammeln den Nektar aus verschiedenen Blüten indem sie ihn in ihren Körper aufnehmen. Im Körper der Biene kommt der Nektar mit einigen Enzymen in Kontakt, die Honigproduktion beginnt. Die Honigbiene lagert den Honig, nach ein paar Umlagerungsprozessen, in Honigwaben ein.

Um dies zu tun brauchen Honigbienen ein ausreichend großes Gebiet mit einem ausreichenden Angebot an Blühpflanzen. Verschiedene Faktoren führen dazu, dass diese immer weniger zu finden sind. Zum einen durch die industrielle Landwirtschaft, Erschließung von Flächen für Wohnraum, Verkehr und Industrie aber auch durch den Klimawandel. Dies bedeutet nicht nur dass Bienen weniger Honig produzieren, sie sterben auch in großer Zahl. Das Bienensterben hat einen starken Einfluss auf die Pflanzen, von denen sie den Nektar holt. Beim Sammelprozess bestäubt sie die Blüten und nur so können Früchte wie zum Beispiel Kirschen oder Äpfel entstehen. Honigbienen sind nicht die einzigen, die in der Natur für die Bestäubung der Blüten sorgen, aber sie übernehmen zusammen mit der Wildbiene einen Großteil dieser Funktion.

 

 

Die Honigbienen auf Kaltehofe betreut der Hamburger Imker Stephan Iblher. Den Kaltehofer Honig gibt es nun schon seit 2015 bei ihm zu kaufen. Außerdem bietet er bei der Stiftung auch Programme wie Honigverkostungen an.

Der NDR hat Stephan Iblher im letzten Jahr begleitet, die spannende Doku, auch mit Aufnahmen auf Kaltehofe, findet ihr hier in der Mediathek.

 

 

 

 

 

 

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Zum Weiterlesen

http://www.umweltinstitut.org/themen/landwirtschaft/artensterben/das-grosse-insektensterben/bienen-das-wichtigste-nutztier.html

https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/insekten-und-spinnen/hautfluegler/bienen/13676.html

https://honig-und-bienen.de/so-entsteht-honig/

 

Buch- und Filmtipps

Buch: Maja Lunde – Die Geschichte der Bienen

Buch: Rob und Chelsea McFarland - Das Geheimnis der Bienen

Dokumentation: More than honey

 

3. Insektenhotel

Auf Kaltehofe leben neben Honigbienen auch Wildbienen. Sie unterscheiden sich nicht nur im Aussehen von den Honigbienen, sondern auch in ihrer Lebensart. Während die Honigbiene in einem Bienenstaat mit mehreren tausend anderer Bienen in einem selbstgebauten Bienenstock lebt und die Königin Eier legt, lebt die Wildbiene vorwiegend alleine. Unterschlupf und Nistmöglichkeiten findet sie in kleinen Gängen und Höhlen in der Erde, im Totholz und auch in leeren Schneckenhäusern. Um sie zu unterstützen kann man zum Beispiel ein Insektenhotel bauen.

Dort kann man auch für andere Insekten wie Marienkäfer, Ohrwürmer/ Ohrenkneifer und Florfliegen Platz schaffen. Sie helfen zum Beispiel gegen Blattläuse. Neben dem geeigneten Standort muss man noch ein paar andere Dinge beachten wenn man ein Insektenhotel bauen möchte. Die Materialien müssen naturbelassen sein und dürfen nicht scharfkantig oder zersplittert sein. Vor allem müssen die Angebote artgerecht sein. Vielleicht ist jetzt auch ein guter Zeitpunkt für ein Bastelprojekt? Es gibt viele Tipps und Bauanleitungen für Insektenhotels, zum Beispiel bei unserem Kooperationspartner NABU.

Und so sieht das Insektenhotel bei uns auf Kaltehofe aus:

Und mit ein bisschen Zeit und Ruhe für Beobachtungen kann man auch Bewohner*innen entdecken.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Download der Tafel als PDF (Hinweis: Seite 2 mit Einblick in die Nistplätze der Tiere)

Zum Selbermachen

Videoanleitung des NABU

4. Wildkräuterwiesen

Ein paar Wiesen auf Kaltehofe sehen fast so aus, als wären sie beim Rasenmähen vergessen worden. Dem ist aber ganz und gar nicht so. Diese Wiesen haben eine besondere Funktion – sie schaffen Platz für möglichst viele Wildkräuter und Blühpflanzen.

Seit 2017 wurden diese Wiesen auf dem Stiftungsgelände ausgeweitet. Die Wasserkunst und Hamburg Wasser unterstützen damit das Projekt „Aurora – Stadt der Schmetterlinge“ des NABU Hamburg. Ziel  des Projekts ist die Schaffung von Lebensräumen für Schmetterlinge - der Aurorafalter ist nämlich ein Schmetterling. Für Kaltehofe wurde ein Konzept entwickelt, welche Flächen zum Schutz der Schmetterlinge dienen und welche Wiesen weiter von Besucherinnen und Besuchern als Liege- und Spielflächen genutzt werden können.

Daher wurde die Mahd, also das Mähen der Wiesen, an den Lebensrhythmus der Schmetterlinge angepasst. So wird das Wachstum von nektarreichen Kräutern gefördert, die die Lebensgrundlage der Falter sind. Diese spezielle Mahd setzt etwas oberhalb des Bodens an, um die dort lebenden Tiere nicht zu verletzten. Nach kurzer Zeit wird alles was abgemäht wurde von den Wiesen entfernt. Die Nährstoffe, die die Pflanzen während ihres Wachstums aufgenommen haben, gehen so nicht wieder in den Boden zurück. Denn die Böden haben heutzutage oft zu viele Nährstoffe. Das klingt erstmal gut. Es sorgt allerdings dafür, dass die Pflanzen die sich am schnellsten vermehren und wachsen, die anderen Pflanzen verdrängen und letztendlich die Wiesen dominieren. Dadurch werden zum Beispiel die Kräuter verdrängt, die Schmetterlingen Nahrung und Möglichkeit für die Eiablage bieten.

 

Doch auch andere Insekten profitieren vom Angebot nektarreicher Pflanzen. Auf Kaltehofe gibt es sowohl Honig- als auch Wildbienen. Auch wenn die Wildbiene keinen Honig produziert, braucht sie doch den Blütennektar zum Überleben. Wild- und Honigbienen sind also Konkurrentinnen um den Nektar. Damit sie friedlich nebeneinander leben können, braucht es ein ausreichendes Angebot. Mit den Wildkräuterwiesen steuert die Wasserkunst einen Teil dazu bei. So können sich Schmetterlinge und Bienen auf Kaltehofe zum Beispiel über Pflanzen wie Klee, Disteln und Schafgabe freuen.

Auf dem eigenen Balkon oder im Garten können sehr gut Wildkräutersamen für Insekten gesät werden. Wichtig ist dabei, dass es sich um heimische Arten wie zum Beispiel Ringelblumen handelt. Denn nicht einheimische Arten können durchaus invasiv sein, das heißt sie vermehren sich schnell und verdrängen einheimische Arten die oftmals einen höheren Nutzen für das heimische Ökosystem haben.

Wildkräuter sind nicht nur für Tiere gut, auch Menschen profitieren von ihnen. Brennnessel und Johanniskraut können zum Beispiel als Teekraut verwendet werden. Unsere Expertin Wiebke Krause bietet auf Kaltehofe Wildkräuterführungen an, bei denen es darum geht die verschiedenen Kräuter kennenzulernen und unterscheiden zu können. Ab 2020 bietet die Umweltwissenschaftlerin „Achtsame Wildkräutererkundungen“ auf dem Gelände an.

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Zum Weiterlesen

Projekt "Auroa - Stadt der Schmetterlinge des NABU Hamburg

Balkon und Garten für Wildpflanzen nutzen - NABU

Schmetterlinge im Garten und auf dem Balkon - BUND

Wofür sind Schmetterlinge da? Schule & Familie

 

5. Ökosystem Gehölz

Wälder leisten sehr viel: Still und unsichtbar produzieren sie Sauerstoff und reinigen die Luft, filtern Wasser, schützen vor Erosion und sind auch noch Lebensraum für andere Pflanzen, Vögel, Insekten, Säugetiere, Reptilien und Pilze. Auch wenn ein Baum stirbt, ist er als Totholz immernoch ein wichtiger Bestandteil des Ökosystems Wald. Denn das Totholz bietet Nahrung für Würmer und Insekten, Unterschlupf, Baumaterial. Es wird schlussendlich zu Kompost und nährt den Wald.

 

Einen richtigen Wald gibt es auf Kaltehofe noch nicht, er ist noch in der Entstehung. Als die Filtrationsanlage fertig war, wurden rundherum Hecken und Obstbäume gepflanzt. Das Gelände selbst wurde gepflegt und so wild wie heute war es lange Zeit nicht. So lange die Anlage in Betrieb war, wären viele Bäume dem Treiben eher im Weg gewesen. Nach der Schließung 1990 vermehrten sich die Sträucher und bestehende Bäume, weitere kamen hinzu. Die Samen von Birken, Erlen und Weiden wurden durch Wind oder Vögel eingetragen. Es sind Bäume, die generell gut mit eher feuchten bis nassen Gebieten umgehen können. Vor allem wachsen sie relativ schnell. Durch den Mix an Gehölz, also Bäumen und Sträuchern, entstand Raum für viele andere Lebewesen: Vögel nutzen die Kronen der Bäume und die Sträucher zum Nisten, suchen Schutz vor Raubvögeln oder selbst nach Nahrung wie Insekten und Würmern die in oder an den Hölzern leben. Auch die Früchte der Brombeeren sind eine leckere Mahlzeit. Diese breitet sich scheinbar unaufhaltsam aus, denn sie liebt die hellen bis halbschattigen Bereiche der Waldränder. Wird der Wald zu dicht und es unten zu dunkel, dann ist sie weniger vertreten.

 

Amphibien schätzen das eher feuchte Klima und ziehen sich gerne ins Gehölz zurück wenn die Sonne gerade alles gibt. Ein weithin hörbarer Bewohner Waldes und auch des Gehölzes auf Kaltehofe ist der Specht, der mit seinem Schnabel gegen das Holz schlägt um Nahrung zu suchen, sein Revier abzustecken, nach einem Partner zu suchen oder eine Nisthöhle zu bauen. Sein Schnabel ist speziell geformt um die Stöße gegen den Schädel etwas zu dämpfen. Auf Kaltehofe sieht und hört man meist den Grünspecht.

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Zum Weiterlesen

Schutzgemeinschaft Deutscher Wald - Was ist Wald?

NABU - Spechte im Vergleich

BUND - Brombeere (PDF Dokument)

Buchtipp

Nicola Kuhrt und Irene Meichsner - Warum kriegt der Specht kein Kopfweh? 100 Geheimnisse des Alltags und ihre verblüffenden Erklärungen

6. Tiere in und an den Filterbecken

An den Filterbecken ist richtig viel los und es lohnt sich auf eine Erkundungstour zu gehen. Da sind zum einen die Wasservögel wie das Blässhuhn. Man erkennt es gut am schwarzen Federkleid und dem weißen Fleck im Gesicht.

Oben auf den Schieberhäuschen sieht man oft einen großen dunklen Vogel der die Flügel von sich streckt, den Kormoran.  Er tut dies um sein Gefieder zu trocknen, das bei seinen kurzen Tauchgängen auf der Jagd nach Fisch ziemlich nass wird. Zwar fettet der Kormoran sein Gefieder, es ist aber dennoch weitaus durchlässiger als das vieler anderer Wasservögel. Ein dicht gefettetes Gefieder sorgt dafür dass Luft im Gefieder eingeschlossen wird und somit weiteren Auftrieb gibt. Darauf verzichtet der Kormoran und kann damit schnell tief tauchen.

Besonders gut kann man am Ufer der Filterbecken Frösche beobachten. Von Frühling bis in den frühen Sommer bringen die Frösche, bei ihrer Suche nach einem Partnerin, allen Besucher*innen ein Gratis Ständchen. Das laute Quaken kommt von den Frosch-Männchen die Luft in ihren Körper pumpen und dann lautstark entweichen lassen. Auch kann man am Wasserrand häufig die Kaulquappen beobachten bevor sie sich vollständig zu Fröschen entwickeln. Bei einer Entdeckungstour werden am Wegrand auch immer wieder kleine Kröten aufgeschreckt. Am besten man lässt sie einfach ihrer Wege ziehen damit sie ihren Teil dazu beitragen können die hiesige Schneckenpopulation in Schach zu halten.

Auch die Graugänsetrifft man auf den Filterbecken und den Wiesen von Kaltehofe ziemlich häufig und meist in großer Zahl an. Mit großem Geschrei tun sie ihren Unmut über jede Annährung von Menschen kund. Daher beobachtet man sie am besten aus der Ferne. Die Schwanenfamilie lässt sich aus der Entfernung ebenso gut beobachten. 2019 gab es vier Jungtiere, die auch im Frühling immer wieder auf den Becken unterwegs waren.

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Zum Weiterlesen

NABU - Kormoran

NABU - Wasservögel

BUND - Amphibien

 

7. Leben unter Wasser

Kaulquappen, Libellenlarven, Frösche – nach einer Erkundungstour rund um die Filterbecken stellt sich die Frage, was eigentlich noch so alles im Wasser ist. Die Erde ist zu mehr als 70% mit Wasser bedeckt -  der Lebensraum Wasser ist also größer als der an Land. Dennoch wissen wir wenig darüber, besonders über das Leben in der Tiefsee.

Denn auch unter Wasser passiert und lebt sehr viel. Zum Glück sind die Becken auf Kaltehofe nicht so tief und man kann mit etwas Geduld, wachem Blick und dem richtigen Lichteinfall durchaus gute Beobachtungen zum Treiben unter Wasser machen. Besonders gut geht das übrigens von unserem Aussichtssteg am Becken hinter dem Barfußpfad. Da sind natürlich Fische! In den alten Filterbecken der Wasserkunst leben heute vor allem Plötze und Rotfedern. Die haben eine gewisse Ähnlichkeit miteinander und zwar nicht nur äußerlich. Sowohl Plötz als auch Rotfeder bevorzugen Gewässer mit vielen Pflanzen, von denen sie sich gerne ernähren.

In den Filterbecken wachsen vor allem Tausendblatt, Wasserpest und Laichkraut. Also viel Nahrung für Plötze und Rotfedern die dafür sorgen, dass die Becken nicht komplett zuwachsen. Für ein Gleichgewicht an Pflanzen und Fischen sorgen auch andere Tiere. Denn auch unter Wasser ist es ein großes Fressen und Gefressen werden. Der ein oder andere Barsch ist in den Filterbecken zu finden und ernährt sich von Fischlaich, also den Eiern der Fische. Graureiher sind immer wieder an den Becken unterwegs und holen sich Fische aus dem Wasser. Auch die Ringelnatter, eine Schlange die dem Menschen nicht gefährlich werden kann, geht gerne auf Raubzug nach Fröschen und Fischen an den Filterbecken.

Die Fische in den Filterbecken der Wasserkunst sind übrigens nicht eingesetzt worden und auch nicht durch ein anderes Gewässer in die Becken gekommen. Sie wurden quasi als Luftpost von Vögeln eingetragen. Diese sind in anderen Gewässern mit dem klebrigen Fischlaich in Berührung gekommen und haben diesen dann in den Filterbecken „verloren“. Aus dem Laich entwickelten sich dann Fische und leben dort nun ihr Fischleben.

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Zum Weiterlesen

Rotauge

Rotfeder

Deutsche Wildtier Stfitung - Schlangen in Deutschland

NABU - Gewässerschutz

8. Kaltehofe: Ein Industriedenkmal

Im Wasser leben nicht nur Fische und Pflanzen sondern auch Mikroorganismen oder Mikroben, also Lebewesen die so winzig sind, dass man sie mit bloßen Auge nicht erkennen kann. Zu den Mikroorganismen gehören auch Bakterien, die zum Teil für den Menschen gefährlich sein können, da sie Krankheiten wie zum Beispiel Typhus oder Cholera führen. Wenn Menschen das Wasser mit solchen Bakterien zum Beispiel trinken, können sie sich mit den Krankheiten anstecken. Dies kann man verhindern wenn man Wasser reinigt und damit solche Mikroorganismen rausfiltert. Genau das passiert in den Filtrationsanlagen in Wasserwerken. Das älteste Filtrierwerk in Hamburg befindet sich auf der Elbinsel Kaltehofe. Altona hatte zwar bereits eine Filtrationsanlage, gehörte damals aber noch nicht zur Stadt Hamburg.

 

(c) Staatsarchiv HamburgHamburg hat sich relativ spät zum Bau eines Filtrierwerkes entschieden. Erst 1890 war Baubeginn auf Kaltehofe. Hierbei entstanden nach und nach die Becken die man heute zum Großteil noch auf Kaltehofe sieht. Geplant war eine Bauzeit von vier Jahren für das umfangreiche Projekt. Mitten in der Bauphase brach im August 1892 in Hamburg die Cholera aus. Aufgrund der schlechten hygienischen Bedingungen und mangels sauberen Trinkwassers endete sie für über 8.000 Menschen tödlich. Die verheerende Epidemie führte die Dringlichkeit sauberen Trinkwassers vor Augen und beschleunigte so den Bau der Anlage. Das Wasserwerk Kaltehofe konnte dadurch bereits im Mai 1893 den Betrieb aufnehmen.

In jedem der Becken befand sich ein Sandfilter, daher heißt das System auf Kaltehofe „Offene Langsamsandfiltrationsanlage“, Das Wasser sickerte in den offenen Becken langsam durch die Schichten aus Sand und Kies. Das Elbwasser wurde an der Billwerder Insel geschöpft und dort zunächst durch Absetzbecken geleitet. Genau dort, wo heute der Schierlingswasserfenchel als Ausgleich für die Elbvertiefung angesiedelt wird. Von der Billwerder Insel aus führte der Weg des  Wassers nach Kaltehofe und dort floss es durch den Filter der Becken. Dabei wurden Schadstoffe aus dem Wasser gefiltert. Das gereinigte Wasser wurde unterirdisch zum Steigrohrturm in Rothenburgsort geleitet und von dort über die Stadt verteilt.

Zum ersten Mal hatte nun ein Großteil der Bevölkerung in Hamburg Zugang zu sauberem Wasser. Die Choleraepidemie 1892 blieb der letzte große Ausbruch der Krankheit in Deutschland. Die Eröffnung Kaltehofes stellte damit einen Meilenstein in der Stadtgeschichte und der Entwicklung Hamburgs zur modernen Großstadt dar. Heute ist die Anlage daher ein Denkmal.

1990 wurde der Betrieb als Filtrierwerk eingestellt, doch 2011 öffnete Kaltehofe seine Pforten erstmals für alle Menschen um darüber zu informieren, wie hier einst Elbwasser gefiltert wurde, was es alles in der Natur zu entdecken gibt und Möglichkeiten zur Erholung zu geben. Die Stiftung Wasserkunst Elbinsel Kaltehofe bietet daher viele Führungen und Programme an, die sich mit diesen Themen beschäftigen.

 

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Zum Weiterlesen:

Hamburg Wasser - Welches Wasserwerk versorgt mich?

WasserForum - Ausstellung zur Wasserversorgung und Abwasserentsorgung

Robert Koch Institut - Robert Koch und die Mikrobiologie

 

Fotohinweis:

Bild Bau der Anlage: © Staatsarchiv Hamburg

9. Die Schieberhäuschen auf Kaltehofe

Die vielen kleinen Türmchen sind nicht zu übersehen wenn man über das Gelände spaziert oder mit dem Fahrrad auf dem Elberadweg unterwegs ist. Was zusammen mit der Villa aussieht wie eine Märchenlandschaft hatte einen ganz praktischen Nutzen. An jedem Filterbecken standen zwei dieser Türmchen, jeweils an der kurzen Seite. Durch ein Ventil im Häuschen auf der einen Seite floss das zu reinigende Wasser in das Becken. In dem Häuschen auf der anderen Seite befand sich ein Schieber durch den das dann gereinigte Wasser wieder abfließen konnte. Von diesem Schieber hat das Türmchen auch seinen eigentlichen Namen: Schieberhäuschen.

Das auf der Billwerder Insel vorgereinigte Wasser floss über eine Leitung nach Kaltehofe. Die Becken und Schieberhäuschen bildeten eine Filterstraße. In den Schieberhäuschen gab es Wärter, die die Ventile bedienten und damit dafür sorgten, dass es immer einen ausreichenden Wasserstand in den Becken gab. Wenn das Wasser nun in die Becken floss, sickerte es langsam durch den darin befindlichen Sandfilter. Eine 1,60 m dicke Filterschicht bestehend aus zunächst Sand, dann im gröber werdenden Kies und schließlich Steinen. In diesem Filter blieben die Schmutzstoffe aus dem Wasser hängen. Zudem entwickelten sich auf dem Filter Mikroorganismen die eine so genannte Filterhaut bildeten. Durch die Filterhaut wurden andere, möglicherweise schädliche, Mikroorganismen abgetötet. Am Boden der Becken befanden sich kleine Kanäle die zum Schieber, also zum Ausgang aus dem Becken, führten. Von dort aus ging es für das gereinigte Wasser dann weiter über ein Rohr, einen sogenannten Düker, zu den Pumpen und dem Steigrohrturm in Rothenburgsort. Von hier aus wurden die Hamburgerinnen und Hamburger dann mit sauberem Trinkwasser versorgt.

Das Wasser kam ursprünglich aus der Elbe, aber die Wasserqualität wurde durch die Industrialisierung immer schlechter. Ab 1964 wurde ausschließlich Grundwasser genutzt. 1990 schloss Kaltehofe als Filtrierwerk seine Pforten. Eine offene Filtration war störanfällig und kostenintensiv und durch andere Wasserwerke war man auf Kaltehofe zur Wasserversorgung nicht mehr angewiesen.

Die Schieberhäuschen hatten die Aufgabe Mensch und Technik vor der Witterung zu schützen. Regen, Wind, Kälte und Sonne erschwerten die Arbeitsbedingungen auf der Insel. Auch heute ist man bei einem Besuch auf Kaltehofe noch gut beraten sich auf jedes Wetter vorzubereiten, da das Gelände selbst kaum Schutz bietet. Drei der Schieberhäuschen sind für Besucherinnen und Besucher zugänglich und können zu den Öffnungszeiten des Geländes besucht werden.

Download der Tafel als PDF (Seite 2 gibt einen Einblick in ein Schieberhäuschen)

Für weitere Informationen empfehlen wir unsere Führungen über das Industriedenkmal.

Fotohinweis: Die Querschnitte stammen aus: Otto Schertel: Wasserversorgung, in: Architekten- und Ingenieurverein Hamburg e.V (Hrsg.): Hamburg und seine Bauten, Hamburg 1914.

10. Gezeiten in Hamburg

Der Mond macht sehr viel mehr als nur anzuzeigen, dass es Nacht ist. Er ist der Hauptgrund warum es Ebbe und Flut in den Meeren gibt. Besonders sichtbar wird das, wenn man der Küste steht und sehen kann, wenn mal mehr und mal weniger Wasser da ist. Die Wassermenge im Meer hat sich dabei natürlich nicht verändert. Das Wasser ist, hauptsächlich durch die Anziehungskraft des Mondes, einfach in Bewegung. Als Ebbe wird die Zeit zwischen Hoch- und Niedrigwasser bezeichnet, als Flut dementsprechend die Zeit zwischen Niedrig- und Hochwasser. Das Phänomen heißt „Gezeiten“, im Niederdeutschen wird es auch „Tide“ genannt. Aus dem Unterschied zwischen dem Wasserstand bei Ebbe und bei Flut ergibt sich der Tidenhub.

Insgesamt gibt es zweimal Ebbe und Flut pro Tag. Eine Tide dauert etwas mehr als sechs Stunden, Ebbe und Flut zusammen ca. 12 Stunden und 25 Minuten. Da der Tag aber nur 24 Stunden hat, verschiebt sich die Zeit für Ebbe und Flut jeden Tag um fast eine Stunde. Das liegt daran, dass der Weg des Mondes um die Erde länger dauert als eine Drehung der Erde um sich selbst. Flut entsteht nicht nur dort wo der Mond gerade am nächsten ist, sondern auch dort wo er gerade am weitesten entfernt ist.

Große Flüsse stehen ebenfalls unter dem Einfluss der Gezeiten. Er nimmt jedoch ab, je weiter der Fluss landeinwärts fließt. Das gilt auch für die Elbe und so sind in Hamburg Ebbe und Flut spürbar. Gut sehen kann man das nicht nur auf Kaltehofe, wo man sich an der Spitze der Insel auch mal nasse Füße holen kann, sondern zum Beispiel in der Speicherstadt. Die Barkassen können nicht bei jedem Wasserstand ihre Touren machen und es ist bei einem Spaziergang gut zu beobachten, wie sich der Wasserstand verändert.

Die Kraft der Sonne ist bei den Gezeiten geringer als die des Mondes. Wirken die beiden allerdings zusammen und bewegen das Wasser in die gleiche Richtung, entsteht eine besonders starke Flut – die Springflut. Dies passiert wenn Sonne und Mond in einer Linie zueinander stehen. Andersherum funktioniert das auch. Bewegen Sonne und Mond das Wasser in unterschiedliche Richtungen entsteht ein ausgleichender Prozess und die Flut ist weniger stark, die sogenannte Nippflut. Hierbei stehen Sonne und Mond im rechten Winkel zueinander.

Neben Mond und Sonne beeinflusst auch der Wind die Tide. Kommt zu einer Springflut ein starker auflandiger Wind hinzu, kommt es zu Sturmflut. Die geht oft mit Überschwemmungen und teilweise katastrophalen Folgen einher. Die Überschwemmung des Altonaer Fischmarkts ist keine Seltenheit in Hamburg. Katastrophal war hingegen die Sturmflut in der Nacht vom 16. zum 17. Februar 1962. Hier ließen die ankommenden Wassermassen Deiche brechen und überraschten viele Bewohnerinnen und Bewohner im Schlaf. 315 Menschen starben und ca. 20.000 mussten evakuiert werden.Auch Kaltehofe wurde überschwemmt. Zu dieser Zeit war die Anlage noch in Betrieb und Teil der Trinkwasserversorgung Hamburgs. Für diese stellte die Überflutung eine große Herausforderung dar, in der Notchlorungen und Notverrohrungen notwendig waren um die Versorgung zu gewährleisten. In der Ausstellungen und den Führungen im WasserForum gibt es einen eigenen Bereich zu dem Thema.

Eine Folge der Sturmflut war der Bau des Sperrwerks in der Billwerder Bucht auf dem Weg nach Kaltehofe. Wo vorher eine Brücke war, wurde nun der Hochwasserschutz ausgebaut. Anfang der 2000er Jahre wurde das Sperrwerk aufwendig erneuert und erweitert. Normalerweise sieht das Sperrwerk aus wie auf dem oberen Bild. Ist der Wasserstand der Elbe zu hoch, schließen die Klapptore wie auf dem unteren Foto zu sehen und schützen so die Billwerder Bucht vor Überschwemmungen.

Durch dem Einfluss der Gezeiten ist auch ein ganz besonderes Feuchtbiotop am Rande von Kaltehofe entstanden: das Süßwasserwatt im Holzhafen.

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Zum Weiterlesen:

Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie - Gezeiten

Gezeitenfisch - Ebbe udn Flut in Hamburg

Kindernetz - Die Gezeiten

NDR - Sturmflut 1962

Fotohinweise:

Foto 1: Ausstellung im WasserForum

Fotos Sperrwerk: © Antonia Capito

11. Feuchtbiotop Kaltehofe

Ein Feuchtbiotop ist ein Lebensraum in dem es meistens ein stehendes Gewässer gibt, zum Beispiel einen Teich, einen Sumpf oder ein Tidegbiet. Feuchtbiotope haben zudem einen Uferbereich. In den alten Filterbecken auf Kaltehofe haben sich nach der Schließung des Wasserwerkes einige Feuchtbiotope entwickelt. An vielen Ufern der Becken sieht man Röhricht wachsen und kann durch das ein oder andere Rascheln erahnen, dass hier ein paar Bewohner Kaltehofes ihr Zuhause haben. Unter Wasser nutzen Fische und Amphibien den Schilfröhricht als Schutz vor Räubern und als Laichplatz. Die Frösche sind nicht nur zu hören, sondern können mit etwas Geduld auch beobachtet werden.

Über Wasser bietet der engstehende Schilfröhricht Schutz für Vögel, die hier teilweise auch nisten, sowie Insekten und Nagetiere. Da Feuchtbiotope Lebensräume einer Vielzahl an Tieren und Pflanzen sind, sind sie besonders schützenswert.

Naturschutzgebiet Holzhafen

Angrenzend an Kaltehofe befindet sich das Naturschutzgebiet Holzhafen in der Billwerder Bucht mit einem Süßwasserwatt. Das Watt entsteht durch die Gezeiten. Bei Niedrigwasser sinkt der Wasserspiegel hier so stark ab, dass der Grund für mehrere Stunden pro Tag sichtbar wird – fast wie an der Nordsee. Allerdings mit dem Unterschied, dass es sich an der Nordsee um Salzwasser handelt, in Hamburg aber herrscht in der Elbe bereits das Süßwasser vor.

Im Süßwasserwatt finden sich viele Tiere und Pflanzen, die genau auf diese Art von Watt spezialisiert und angewiesen sind. Besonders ist hier der Schierlings-Wasserfenchel zu nennen. Die Pflanze steht auf der roten Liste und ist vom Aussterben bedroht. Sie kommt nur in den Süßwasserwattgebieten der Elbe vor und sorgt bei jeder Debatte um die Elbvertiefung für Diskussionsstoff. Durch eine tiefere Fahrrinne in der Elbe sollen auch die ganz großen Schiffe in den Hamburger Hafen kommen können. Dies führt unter anderem zu veränderten Bedingungen für Pflanzen wie den Schierlings-Wasserfenchel. Vielen konnten den jahrelangen Streit um eine Pflanzenart nicht nachvollziehen, es erschien vielleicht übertrieben. Diese Pflanze vertritt jedoch viele andere Bewohner des Süßwasserbereiches der Tideelbe deren Lebensraum durch Eindeichung und Elbvertiefung immer kleiner wird. Mit jeder Vertiefung verstärkt sich die Strömung und damit auch der Transport von Sediment, es kommt zur Verschlickung der Ufer. Dies raubt den dort lebenden Pflanzen den Raum und den Tieren die Nahrungsgrundlage. Der Schierlings-Wasserfenchel soll in den alten Absatzbecken der Billwerder Insel eine neue Heimat finden, die notwendigen Bauarbeiten laufen bereits.

Kormorane

In der Billwerder Bucht kann eine ganze Kormoran-Brutkolonie beobachtet werden, die einzige in Hamburg. Die Kormorane können sehr häufig direkt an, oder besser auf, den Schieberhäuschen begutachtet werden. Mit weit ausgetreckten Flügeln sitzen sie oben auf den Schieberhäuschen und lassen ihr Gefieder trocknen. Es scheint, als würden sie über den Feuchtbiotopen von Kaltehofe thronen.

Die Vogelkundliche Führung mit Michael Rademann führt regelmäßig nicht nur über Kaltehofe, sondern auch in den Holzhafen. Einen Einblick in die Geschichte der Insel Kaltehofe verbunden mit einem Rundgang außerhalb des Industriedenkmals gibt es in der Inseltour.

Tiere in den Feuchtbiotopen auf Kaltehofe

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Zum Weiterlesen

BUND - Was ist ein Feuchtbiotop?

Naturschutzgebiet Holzhafen

NDR - Schierlings-Wasserfenchel

 

12. Schutz des Biotops Kaltehofe

Nachdem das Filtrierwerk Kaltehofe 1990 geschlossen wurde, blieb das Gelände erstmal sich selbst überlassen. Im September 2011 öffnete mit der Wasserkunst Elbinsel Kaltehofe ein Teil des Geländes für die Öffentlichkeit – zum ersten Mal seit 1893. In den 21 Jahren seit der Schließung war viel passiert, vor allem in der Natur. Es gab einige Ideen was mit dem nun verlassenen Gelände geschehen solle: Wohngebiet, Büroeinheiten, Freizeitpark oder Zeltplatz? Viele Ideen wurden lange und häufig heftig diskutiert.

Abseits der Streitigkeiten entwickelte sich Kaltehofe langsam vom einstigen sterilen Betriebsgelände in einen wilden Fleck Natur wie auf der Luftaufnahme zu sehen ist.

Agenda 21 Prozess und Masterplan Kaltehofe

Anfang der 2000er Jahre startete ein Prozess zur nachhaltigen Entwicklung der Anlage nach dem Agenda 21-Modell, welches alle Beteiligten bei der Ausarbeitung eines neuen Nutzungskonzepts einbezieht. Unter den Akteuren des Agenda 21 Prozesses um Kaltehofe waren neben Vertreter*innen aus Wirtschaft, Politik und Bevölkerung auch Naturschutzverbände. Der entstandene Wildwuchs hatte in den bis zum Agenda 21 Prozess vergangenen Jahren bereits eine großen Artenvielfalt an Pflanzen und Tieren angezogen, die bei einer Öffnung für die Bevölkerung erhalten bleiben sollte. Der Kompromiss als Masterplan Kaltehofe: ein Viertel des Geländes wird für Besucher*innen geöffnet, dies wird durch die Stiftung innerhalb der Öffnungszeiten kostenfrei ermöglicht. Der Rest des ehemaligen Betriebsgeländes ist ein Renaturierungsgebiet.

Renaturierung und der Blick über den Zaun

Renaturierung bedeutet, dass so wenig wie möglich in die Natur eingegriffen wird damit diese sich erneut frei entfalten kann. In den Becken wurde beispielsweise zum Teil Sand aufgehäuft um den Wachstum vom Schilfröhricht zu unterstützen. Da es sich in den Becken nicht um natürliche Gewässer handelt, wird der Wasserstand künstlich reguliert und so erhalten. Dazu wird der Wasserstand regelmäßig geprüft und bei Bedarf Elbwasser zulaufen gelassen.

 

Überflutungsschutz

Kaltehofe und seine Biotope sind zudem auch vor Überflutung geschützt. Der Eingang zur Billwerder Bucht ist von einem Sperrwerk gesichert. Droht eine Flut, fahren die großen Stahltore unter der Brücke herunter und versperren den Wassermassen den Weg in die Bucht.

Zur Noderelbe wird Kaltehofe von einem Deich geschützt. Von hier hat man einen guten Blick über die Anlage und mehrmals im Jahr grasen Schafe und Ziegen den Deich ab.

Vogelschutz

44 Brutvogelarten wurden auf Kaltehofe gezählt, daher wird ein besonderes Augenmerk auf den Schutz von Rast- und Brutgebieten gelegt. So sollen Schilfröhricht und Büsche einen Sichtschutz und geschützten Lebensraum schaffen. Daher gibt es insbesondere im Bereich Vogelschutz einige naturschutzrechtliche Regeln auf dem Gelände zu beachten. Alle Besucher*innen können die Stiftung bei ihrer täglichen Arbeit zum Schutz der Biotope unterstützen indem Hunde auf dem Gelände an der Leine geführt werden, bei Feiern naturverträgliche Alternativen zu Konfetti verwendet werden und auf Luftballons gänzlich verzichtet wird.

Download der Tafel als PDF (Seite 2 zeigt, wie das Gelände sich nach Schließung des Werks entwickelt hat)

Zum Weiterlesen

Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald hat den Agenda 21 Prozess geleitet - alle Infos

Das Projekt Kaltehofe wurde 2012 von der Deutschen Umwelthilfe und der Siftung "Lebendige Stadt" ausgezeichnet

Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer - Deichverteidigung und Deichaufsicht

Fotonachweis:

Luftbildaufnahme Kaltehofe vor dem Umbau: © HAMBURG WASSER / Arne Sörensen

13. Der Biber in Hamburg

Die Bibertafel auf dem Naturerlebnispfad ist 2017 in Zusammenarbeit mit dem Projekt Biber der Loki Schmidt Stiftung entstanden nachdem die Spuren eines Bibers auf dem ehemaligen Betriebsgelände der Filtrationsanlage entdeckt wurden.

Biberschutz

So wie die Feuchtbiotope und der Schierlings-Wasserfenchel, steht auch der Biber unter Schutz. Nicht nur in ganz Deutschland sondern in ganz Europa. Der Schutz umfasst nicht nur das Tier selbst, sondern auch seinen Lebensraum und seine Bauten - die Biberburgen. Nichts davon darf zerstört werden.

Auf den Spuren eines Rückkehrers

Die Biber waren schon fast aus Deutschland verschwunden, hier, wie in ganz Europa, wurden sie wegen ihres dichten Fells und wegen ihres Fleisches gejagt und nahezu ausgerottet. Erst im 20. Jahrhundert wurden Schutzmaßnahmen getroffen und Auswilderungen durchgeführt. Seither erholen sich die Bestände langsam.

Das größte Nagetier Europas

Biber sind semiaquatisch lebende Säugetiere. Dies bedeutet, dass ihr Lebensraum sowohl Gewässer als auch deren Uferbereiche umfasst. Sie brauchen Wasser und Land. An das Leben im Wasser sind sie perfekt angepasst, sie haben das dichteste Fell im Tierreich mit bis zu 23.000 Haaren pro Quadratzentimeter. Um ihr Fell zu pflegen kämmen Biber dieses mehrmals täglich mit der Doppelkralle, einer speziellen Kralle an jedem Hinterfuß. Zudem produzieren sie mit Drüsen am Hinterkörper ein öliges Sekret mit dem sie ihr Fell einfetten und auch ihr Revier markieren. Ihre Zähne sind nicht rötlich verfärbt weil sie schmutzig sind, sondern weil sie einen hohen Eisengehalt im Zahnschmelz haben. Mit den Schwimmhäuten ihrer Hinterpfoten und dem breiten, flachen Schwanz, der Kelle, können sie sich im Wasser perfekt bewegen. Die Kelle ist nicht nur Ruder sondern hilft den Bibern sich vor Gefahren zu warnen indem sie mit ihr auf die Wasseroberfläche schlagen. Im Sommer regulieren Biber ihre Körpertemperatur indem sie ihre Kelle ins kühlere Wasser halten.

Biber und Ökosysteme

Biber ernähren sich rein pflanzlich von Blättern, Knospen, Gräsern, Kräutern und auch von Rinde. Mit ihren scharfen Zähnen und kräftigen Kiefern können Biber Bäume mit einen Durchmesser von bis zu einem Meter fällen. Diese nutzen sie für den Bau von Dämmen und Biberburgen. Damit gestalten Biber ihre Umgebung so sehr wie kaum ein anderes Tier – ein großer Nutzen für die Umwelt. Denn durch ihre Arbeit entsteht Totholz, eine wichtige Ressource für ein Ökosystem. Zudem schaffen Biber damit Lebensraum zum Beispiel für Amphibien und Insekten, wovon wiederum die Vogel- und Fischwelt profitiert.

Kaltehofer Biber

Der Biber, dessen Spuren erstmals 2017 gefunden wurden, ist seit einiger Zeit nicht mehr auf Kaltehofe unterwegs. Ob er von selbst gegangen ist und warum oder ob er einen Unfall hatte, ist nicht klar. Biber wandern auf der Suche nach einem eigenen Revier sobald sie ihren Familienverband verlassen müssen. Die Zäune auf Kaltehofe sind für Biber und andere Tiere jedenfalls kein Problem - sie werden einfach unterwandert! Vielleicht richtet sich ja bald ein anderer Biber häuslich auf Kaltehofe ein. Daumen drücken! 

Mehr über die nachtaktiven Biber kann man bei einer Führung über unseren Naturerlebnispfad vor Ort erfahren. Unter anderem auch, warum er so oft mit Nutria und Bisamratte verwechselt wird und welche Unterschiede es gibt.

Download der Tafel als PDF

Zum Weiterlesen

Biber Projektseite der Loki Schmidt Stiftung

NDR: NaturNah: Hamburger Hafenbiber

Deutsche Wildtier Stiftung - Biber. Deutschlands größtes Nagetier

Fotonachweis

Foto Biber in Hamburg © Loki Schmidt Stiftung

14. Niederschlagsmessung - wofür eigentlich?

Auf dem Weg zu unserem Becken mit dem Steg findet sich eine kleine, seltsam geformte Tonne. Sie sieht ein bisschen aus wie ein Mülleimer, aber dann auch wieder nicht. Der ‚Nicht-Mülleimer‘ ist eine Vorrichtung zum Messen der Niederschlagsmenge. Regnet es, kommt Wasser in die obere Öffnung und wird am Boden des Gerätes gewogen. Um die Daten auch weitergeben zu können ist der Niederschlagsmesser über unterirdische Kabel mit einem Computer verbunden. Die Regen-Daten der Wasserkunst gehen direkt an Hamburg Wasser. Der städtische Wasserversorger hat noch weitere Messstationen in der Stadt und kann somit errechnen wie viel und wie häufig es geregnet hat - auf den Tag, Monat und das Jahr genau. Die Messung des Regens liefert wichtige Informationen zur Verteilung der Niederschlagsmenge über den gemessenen Zeitraum und dient mehreren Zwecken.

Starkregenkarte

Zum einen laufen die gesammelten Daten in der Starkregenkarte zusammen. Die Auswertung hilft dabei zu entscheiden, wie zum Beispiel die Infrastruktur angepasst werden muss um zu verhindern, dass es zu Überflutung von Straßen und Wegen kommt. In den Städten sind immer mehr Flächen bebaut, asphaltiert oder betoniert. Das Wasser kann so nicht gleichmäßig ablaufen bzw. im Boden versickern. Durch diese Verdichtung wird es immer wichtiger sich neue Wege für das Wasser zu überlegen, damit nicht zu viel in Kanalisation und Gewässer läuft.

Treibhauseffekt

Aus den Daten kann außerdem abgelesen werden, dass es immer mehr regnet. Allerdings regnet es nicht über das ganze Jahr gleichmäßig viel mehr, sondern vor allem in den Wintermonaten. Die Niederschlagsmenge für die Sommermonate nimmt hingegen ab, so kommt es zu Dürren und schlechten Ernten. Die Ursache liegt, wie so oft, beim Klimawandel. Ein Anstieg der Häufigkeit an Niederschlägen weist auf eine Erwärmung der Atmosphäre hin. Der natürliche Treibhauseffekt auf der Erde sorgt dafür, dass Leben hier möglich ist. Wie bei einem Treibhaus speichert die Erde die Wärme der Sonne, ansonsten würden durchgehend Minusgrade herrschen. Die Sonnenstrahlen treffen auf die Erde, erwärmen sie und werden zurück in die Atmosphäre reflektiert. Ein Teil der Strahlung kann die Atmosphäre nicht durchdringen, der Rest gelangt zurück ins Weltall. Verantwortlich hierfür sind die Treibhausgase Methan und Kohlenstoffdioxid, die zum Beispiel durch Industrie, Straßenverkehr und Stromerzeugung vermehrt ausgestoßen werden. Sie verdichten die Atmosphäre, mehr Strahlen werden zurück auf die Erde geworfen und sorgen so für eine weitere Erwärmung.

Wetter auf Kaltehofe

Das können wir auch auf Kaltehofe beobachten. In den letzten beiden Jahren gab es auf der Insel keinen nennenswerten Schnee im Winter, in diesem Februar sehr viel Regen und die letzten Sommer waren so trocken, dass unsere Wiesen und Hecke drohten auszutrocknen.

Die Stiftung engagiert sich in der Information über den Klimawandel und seine Folgen unter anderem mit Programmen im Rahmen der Wetter.Wasser.Waterkant, die in diesem Jahr vom 21.-25. September stattfindet.

Download der Tafel als PDF (die Tafel hat eine Drehscheibe zur Darstellung des Treibhauseffekts)

Zum Weiterlesen

HAMBURG WASSER - Starkregenkarte für Hamburg

RISA - Konzepte und Lösungen für einen zukunftsfähigen Umgang mit Regenwasser

Spektrum - Lexikon Niederschlagsmessung

Umweltbundesamt - Wie funktioniert der Teibhauseffekt?

Aktiv für den Klimaschutz - Fridays for Future

Fakten aus der Wissenschaft - Scientists for Future

15. Pflanzenkläranlage

Immer wieder hören wir, wie über Kaltehofe als ehemaliges Klärwerk gesprochen wird oder die Becken als Klärbecken bezeichnet werden. Dies ist nicht ganz korrekt. Zwar hatte Kaltehofe die Funktion Wasser zu reinigen, allerdings ausschließlich Elbe- und später Grundwasser um Trinkwasser zu gewinnen. Ein Klärwerk reinigt Abwasser, diese Funktion hatte Kaltehofe nie.

Abwasserentsorgung auf Kaltehofe

Es ist sogar so, dass die Villa gar nicht an das Abwassernetz der Stadt angeschlossen ist! Das entstehende Abwasser, zum Beispiel durch die Toiletten, muss aber natürlich auch gereinigt und entsorgt werden. Das funktioniert aber auf Kaltehofe anders, als in den meisten Haushalten. Auf dem Gelände der Stiftung wurde daher eine Pflanzenkläranlage gebaut. Diese ist so unauffällig und so gut versteckt, dass man sie nicht vermuten würde, gäbe es nicht eine Tafel die auf ihre Existenz und Funktion hinweist.

Fettabscheider

Geht man vom Parkplatz der Wasserkunst die Treppe zur Terrasse vor dem Kubus hinauf, kommt man an ein paar „Gullies“ vorbei. Hier beginnt die Pflanzenkläranlage. Die erste Station des dort ankommenden Abwassers, ist der Fettabscheider. Bei dem fetthaltigen Abwasser eines Gastronomiebetriebs wie dem Café Kaltehofe eine unablässige Station. Hier setzt sich das Fett vom Wasser nach oben ab und festere Stoffe nach unten, der sogenannte Klärschlamm. Es ist kein besonderer Prozess notwendig, genutzt wird das Prinzip der unterschiedlichen Dichte. Stoffe mit geringerer Dichte als Wasser, wie Fett, schwimmen oben. Stoffe mit höherer Dichte sinken ab. Sowohl Fett als auch Klärschlamm werden regelmäßig von einem darauf spezialisierten Unternehmen abgepumpt.

Was passiert mit dem Abwasser?

Die zweite Station sind die sogenannten Bioreaktoren. Hier gibt es die perfekten Bedingungen zum Wachstum nährstoffzersetzender Bakterien. Diese siedeln sich an einer Membran am Abfluss des Bioreaktors und „verzehren“ andere Mikroorganismen, wodurch das Wasser weiter gereinigt wird. Dieses fließt dann über ein unterirdisches Rohr weiter bis in das Becken neben dem Schaufilterbecken. Hier sind nun mehrere Schläuche unterirdisch in Schlaufen, wie bei einer Fußbodenheizung, verlegt. Durch die durchlässigen Schläuche sickert das Wasser durch eine ca. 80 cm tiefe Sandschicht, in der es von den letzten verbliebenen Verunreinigungen befreit wird. Auf dem Boden wachsen Pflanzen die die Erde locker und den Sauerstoffgehalt im Boden stabil halten. Das nun gereinigte Abwasser wird in einem Tank im Becken gelagert bevor es nach und nach in das Schaufilterbecken geleitet wird.

Was kann Abwasser?

Zurzeit wird die Pflanzenkläranlage umgebaut, um sie zu verbessern und ihre Leistung unseren steigenden Besucherzahlen anzupassen. Da das gereinigte Abwasser immer noch viele Nährstoffe enthält, soll es nach dem Umbau nicht mehr in das Schaufilterbecken geleitet werden, um Algenbildung dort zu verhindern. Auch wenn die Wasserkunst selbst nie ein Klärwerk war, kann man im WasserForum mehr über die Reinigung von Abwasser erfahren und vor allem auch, wie viele Rohstoffe sich hieraus (zurück-)gewinnen lassen.

Download der Tafel als PDF (Die Tafel hat eine Drehscheibe mit den drei Stufen der Reinigung)

Zum Weiterlesen

Naturbauhof - Funktionsweise von Pflanzenkläranlagen

Hamburg Wasser - Wie das Klärwerk funktioniert (wenn man ans Sielnetz angeschlossen ist)

 

Fotonachweis

Lufaufnahme Pflanzenkläranlage - © Felix Gedanke/Christoph Gedanke

Leitung ins Schaufilterbecen - © Klaus-Georg Lange

16. Barfußpfad

Auf dem Gelände der Wasserkunst trifft man ganz unverhofft auf eine kleine Strecke, die ein bisschen an viele Hamburger Fahrradwege erinnert: Schmal und mit vielen verschiedenen Untergründen. Was beim Fahrradfahren ein Ärgernis ist, dient hier der Erholung der Füße – es ist der Barfußpfad.

Warum barfuß?

Im Alltag laufen die meisten Menschen eher selten barfuß. Der Fuß ist meist sicher vor Scherben, spitzen Steinen und Umwelteinflüssen verpackt. Dabei profitieren Füße und Körper sehr vom Barfußgehen. Daher wurde den Füßen auf dem Gelände der Stiftung im Rahmen des Naturerlebnispfads ein kleiner Wellness-Bereich geschaffen. Neben Muskeln, Sehnen und Knochen sind in den Füßen auch viele Rezeptoren die Bewegungen genau erfassen und ausgleichen. Dadurch sind die vielen Muskeln im Fuß immer beansprucht, also quasi dauerhaft im Training. In Schuhen wird diese Leistung der Füße gedämpft, viele Muskeln werden „geschont“. Der Muskel wird schwächer, wenn er nicht trainiert wird. Dadurch werden auch Sehnen und Bänder geschwächt und es kann zu Fehlstellungen kommen. So kann es zu falschen Bewegungsabläufen kommen, die dann nicht nur in den Füßen, sondern auch an Knien und Hüfen zu spüren sind.

Schuhe aus!

Beim barfuß laufen werden die Muskeln des Fußes optimal beansprucht und auch Sehnen und Bänder stärken sich wieder. Barfuß laufen ist für Kinder eine tolle Prävention vor Fehlstellungen im Fuß, da das Fußbett von Anfang an trainiert wird. Auch Fuß- und Nagelpilz lässt sich durch die bessere Belüftung und geförderte Durchblutung vermindern. Wer jetzt unbedingt barfuß laufen möchte, sollte langsam damit anfangen. Also am besten kleine Barfußeinheiten in den Alltag einzubauen.

Barfuß im Park

Eine perfekte Gelegenheit hierzu bietet sich beim Spaziergang über das Gelände der Wasserkunst. Die Materialien unseres Barfußpfads greifen die Hauptthemen der Stiftung Wasserkunst auf: Wasserversorgung und Naturschutz. Kies und Sand erinnern an die Filter in den ehemaligen Filterbecken, Holz und Gras stehen stellvertretend für die Natur auf Kaltehofe. In unseren Führungen über den Naturerlebnispfad ist der Gang über den Barfußpfad fester Bestandteil. Mit Augenbinden wird der Pfad dabei nochmal ganz anders erlebt.

Download der Tafel als PDF

Zum Weiterlesen

Bayrischer Rundfunk: Warum barfuß laufen unsere Füße gesund macht

Gesundheit.de - Barfuß laufen ist gesund

Führungsangebote auf dem Naturerlebnispfad

17. Vogelbeobachtungsplattform

In der hintersten Ecke des Geländes der Wasserkunst findet sich seit 2017 eine begehbare, hölzerne Konstruktion – die Vogelbeobachtungsplattform. Wer die Wasserkunst häufiger besucht, hat festgestellt, dass sich die Plattform im letzten Jahr etwas verändert hat.

Ausbau Vogelbeobachtungsplattform

Die Aussichtsplattform hat, gefördert durch den NABU und die Norddeutsche Stiftung für Umwelt und Entwicklung, eine Sichtschutzwand bekommen. Diese Erweiterung folgt den Anforderungen an einen effektiven Vogelschutz. Denn nur wenn die Vögel ungestört rasten und nisten können, kann man sie auch weiterhin auf Kaltehofe beobachten. Sehen ohne gesehen zu werden ist ein entscheidender Punkt um Vögel und ihr natürliches Verhalten zu beobachten. Die Wand hat vier Fenster in unterschiedlichen Höhen bekommen, die so groß sind dass man bequem durchgucken kann, aber nicht so groß, dass man zu schnell von den Vögeln entdeckt wird. Die Fenster wurden in verschiedenen Höhen angebracht, damit alle Besucher*in durchgucken können.Vogelbestimmung

Auf der Vogelplattform gibt es jetzt auch zwei Tafeln auf denen viele Vogelarten und ihre Namen zu sehen sind. Am besten man notiert sich welche Vögel gesehen wurden und am aller besten sogar mit der Uhrzeit. So kann man später noch mehr zu den jeweiligen Arten nachschlagen und lernt über die Zeit auch, zu welcher Uhrzeit welche Art auf Kaltehofe am besten zu beobachten ist. Wer sich der Vogelbeobachtung weiter nähern will ist mit einem Bestimmungsbuch gut beraten. So kann man schnell Arten bestimmen die vielleicht gerade nicht auf unserer Tafel, aber dennoch spannend sind.

Ausrüstung

Vorteilhaft ist es, sich auf das Wetter einzustellen. Zwar wird man im Starkregenschauer eher weniger Vögel beobachten können, aber auch ein Sonnenbrand oder kalte Füße können einen den Spaß verderben. Wer die Vogelbeobachtung mal mit fachkundiger Leitung ausprobieren möchte, kann dies in unserer vogelkundlichen Führungen erleben. Hier ist ein Fernglas von Vorteil, auch wenn es erstmal nur ein Einfaches ist. Ferngläser können auch bei uns geliehen werden.

HanseBird

Auf dem Gelände der Wasserkunst findet einmal jährlich die HanseBird des NABU statt. In diesem Juni muss sie leider aufgrund der Corona-Pandemie ausfallen. Aber 2021 bietet Norddeutschlands größtes Vogelfestival wieder die perfekte Gelegenheit mehr über Vögel zu erfahren, Profiequipment auszuprobieren und sich mit Gleichgesinnten auszutauschen.

Vogelbeobachtung auf Kaltehofe

Während das Wasserkunstgelände geschlossen ist, muss natürlich nicht auf die Vogelbeobachtung verzichtet werden! Es gibt einen schönen kleinen Rundweg, mit dem über Kaltehofe Hinterdeich das Gelände der Wasserkunst zu Fuß von außen umrundet wird und viel beobachtet und entdeckt werden kann. Ab dem Sperrwerk sind es ca. 3,5 Kilometer zu Fuß für eine Runde.

Download der Tafel als PDF

Zum Weiterlesen

NABU - Vögel bestimmen

Birdingtours - 10 Einsteigertipps zur Vogelbeobachtung

Buchtipps

Peter H. Barthel und Paschalis Dougalis - Was fliegt denn da?

Thomas Schmidt - Was piept und fliegt in Hamburg? Ein vogelkundlicher Stadtführer

Fotonachweise:

Bilder Vogelplattform mit Menschen während der Hansebird: © NABU / Thomas Dröse

18. Silber-Pappel und Sal-Weide

Die erste Tafel, die wir im Rahmen des digitalen Naturerlebnispfads vorgestellt haben, hat sich bereits mit einem Baum beschäftigt. Aber es gibt noch viel mehr spannende Bäume und auf Kaltehofe dazu passende Tafeln.

Zweihäusige Bäume

Silber-Pappel und Sal-Weide sind sogenannte zweihäusige Bäume. Das heißt, dass es Bäume gibt die ausschließlich weibliche Blüten tragen und Bäume die ausschließlich männliche Blüten tragen. Man kann also sagen es gibt hier weibliche Bäume und männliche Bäume.

Silber-Pappel

Die Silber-Pappel hat ihren Namen der Unterseite ihres Blattwerkes zu verdanken. So sind die Blätter auf ihrer Oberseite zwar grün, dafür aber auf der Unterseite weiß – grau. Wenn der Wind nun durch die Krone streicht, sieht es fast so aus würde die Pappel silbern „funkeln“. Die Silber-Pappel kann bis zu etwas mehr als 40 Meter wachsen. Selten überschreitet ihr Stammumfang 2 Meter. Die männlichen Blütenkätzchen sind bis zu 8 Zentimeter lang und rötlich. Die weiblichen Blütenkätzchen sind kürzer und eher gelblich.

 

 

Die Blätter der Silber-Pappel

PDF der Tafel zum Download (mit Klapptafel)

 

Sal-Weide

Die Sal-Weide hat für die Insekten- besonders für die Bienenpopulation eine große Bedeutung, da sie schon sehr früh, im März, zu blühen beginnt, ist sie die erste Nahrungsquelle. Daher ist es ratsam sich etwas beim Schneiden der Äste zurückzuhalten auch wenn die Weidenkätzchen ein schöner Schmuck für das Zuhause sind. In freier Natur ist es in den meisten Bundesländern ohnehin nicht erlaubt. Die männlichen Blütenkätzchen sind gelblich, die weiblichen in ihrer grünlichen Färbung etwas unauffälliger. Unter optimalen Bedingungen kann die Sal-Weide bis zu 15 Meter groß werden.

Salicin

Die Sal-Weide hat eine gewissen Heilwirkung, den sie produziert Salicin. Aus ihrer Rinde lassen sich Tees herstellen die fieberhafte und/oder rheumatische Erkrankungen und Kopfschmerzen lindern können. Als es gelang Salicin zu isolieren wurde daraus zunächst Salicinsäure und dann Acetylsalicinsäure entwickelt wie es heute zum Beispiel in Aspirin vorkommt, allerdings mittlerweile aus synthetischer Herstellung.

Kätzchen der Sal-Weide

PDF der Tafel zum Download (mit Klapptafel)

 

Zum Weiterlesen:

Das Wälderhaus in Hamburg-Wilhelmsburg mit Science Scenter Wald

Baumkunde Silber-Pappel

Baumkunde Sal-Weide

 

 

19. Stiel-Eiche und Hänge-Birke

Stiel-Eiche und Hänge-Birke sind Laubbäume. Sie werfen, anders als Nadelbäume, ihre Blätter zur kalten Jahreszeit ab. Vorher färben sie Kaltehofe im Herbst in die schönsten Farben. Sie haben breite flache Blätter, während Nadelbäume schmale nadelähnliche Blätter besitzen, die nur die Lärche zur kalten Jahreszeit abwirft. Beide Bäume sind einhäusig, dies bedeutet dass ein Baum sowohl männliche als auch weibliche Blüten trägt.

Stiel-Eiche

Die Stiel-Eiche kann eine Höhe von 20-40 Metern erreichen und 1000 Jahre alt werden. Hat sie keine direkte Konkurrenz neben sich, kann ihr Stammumfang bis zu 8 Metern betragen. Zersägt man den Stamm ist der äußere Holzbereich hell und der innere dunkler. Die Krone der Stiel-Eiche ist ausladend und viele Äste wirken verdreht und knorrig. Die weiblichen Blüten sind langstielig während die männlichen Blüten hängende Kätzchen besitzen.

Die fertige Frucht ist die Eichel. An denen erfreuen sich besonders Eichhörnchen. Aber auch auf dem Basteltisch können Eicheln zusammen mit Kastanien für viel Freude bei Projekten sorgen. Die Eiche wurde in vielen Kulturen verehrt. Für die Kelten war sie der heiligste Baum. Bei den Germanen war sie dem Gott Donar geweiht.

PDF der Tafel zum Download (mit Klapptafel)

 

 

Hänge-Birke

Die Hänge-Birke gehört zu den Pionierbaumarten, also zu den ersten Arten die Freiflächen besiedeln und damit die Vorarbeit für viele andere Arten schaffen. In ihrem Ausmaß schafft sie es nicht an die Stil-Eiche heran. Die Birke wird ca. 15-25, höchstens 30, Meter groß und ihr maximaler Stammumfang liegt bei ca. 90 Zentimetern. Gut zu erkennen ist die Birke an ihrer weißen, schwarzgefleckten Rinde, die weit weniger Furchen als die der Eiche aufweist.

Bei der Hänge-Birke bildet die weibliche Blüte ein Kätzchen aus, dieses ist grün und rötlich und steht aufrecht. Die männlichen Blüten bilden ebenfalls Kätzchen aus, diese sind grün und hängen herab. Die Hänge-Birke ist sehr widerstandsfähig, sie erträgt sowohl trockene als auch feuchte Standort und treibt aus abgesägten Stümpfen wieder aus. Besonders ins Auge stechen auf Kaltehofe die drei Birken vor der Villa.

PDF der Tafel zum Download (mit Klapptafel)

 

Zum Weiterlesen

Geolino - Bastelideen mit Eicheln

Baumkunde - Stiel-Eiche

Baumkunde - Hänge-Birke

Buchtipps

Peter Wohlleben - Das geheime Leben der Bäume

Margot und Roland Spohn - Welcher Baum ist das?

20. Naturerlebnsipfad erleben

Der Naturerlebnispfad der Stiftung Wasserkunst Elbinsel Kaltehofe steht allen Besucherinnen und Besuchern zu den Öffnungszeiten der Wasserkunst kostenfrei zur Verfügung. Für Gruppen besteht die Möglichkeit altersgerechte Angebote aus dem Umweltbildungsprogramm individuell zu buchen. 

Die Stiftung Wasserkunst Kaltehofe bedankt sich für Spenden und Zusammenarbeit für den Naturerlebnispfad:

Die Umsetzung des Naturerlebnispfads mit interaktiven Tafeln, Barfußpfad und Vogelbeobachtungsplattform sowie den Bänken auf dem Gelände wurde durch die Spende der Claus & Sylvia Stäcker Stiftung ermöglicht.

Durch eine weitere Zustiftung der Loki Schmidt Stiftung konnte im Rahmen des Projekts Biber eine eigene Tafel zu dem Kaltehofer Biber realisiert werden.

Der Ausbau der Vogelbeobachtungsplattform konnte in Zusammenarbeit mit dem NABU Hamburg und gefördert durch die Norddeutsche Stiftung für Umwelt und Entwicklung umgesetzt werden.

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