Naturerlebnispfad digital

Die Stiftung Wasserkunst Elbinsel Kaltehofe bietet mit dem Naturerlebnispfad auf Kaltehofe ein umfangreiches kostenfreies Bildungsangebot an. Thematisch behandeln die interaktiven Tafeln die Geschichte und Funktionsweise der Filtrationsanlage, aber vor allem die vielfältige Flora und Fauna. Zur Eindämmung des Coronavirus ist das Gelände bis auf Weiteres geschlossen. Daher stellen wir hier nach und nach die Tafeln und Inhalte des Naturerlebnispfads vor. Dabei geben wir auch weitergehende Informationen, verlinken Studien oder vertiefende Texte und stellen die Tafeln zum Download zur Verfügung. Sobald das Gelände wieder geöffnet ist, freuen wir uns, Sie in unseren Führungen begrüßen zu dürfen. Aktuell können Sie die Arbeit der gemeinnützigen Stiftung auch mit einer Spende unterstützen.

Das Layout der Tafeln stammt von Kulturkonsulat.

Zur Übersicht der aktuelle Geländeplan:

Anmerkung: Die Ziffern auf dem Geländeplan entsprechen nicht der Reihenfolge, die wir bei unserem digitalen Rundgang gewählt haben.

1. Schwarzer Holunder

Schwarzer Holunder (Sambucus nigra) wird in Norddeutschland auch als Schwarzer Flieder bezeichnet. In Mitteleuropa ist der Schwarze Holunder sehr häufig zu finden, meist an Waldrändern oder Hecken, und wird schon sehr lange von den Menschen als Heilmittel und Farbstoff genutzt. Dem Schwarzen Holunder wurde bei den Germanen Schutz vor bösen Geistern und Blitzeinschlag nachgesagt, so dass man ihn gern vors Haus pflanzte. Nicht ratsam war es einen Schwarzen Holunder zu fällen, das sollte Unglück bringen.

Als Heilmittel gegen Erkältung hat der Schwarze Holunder nachweislich seine Berechtigung. Studien konnten belegen, dass der Saft des Schwarzen Holunder vorbeugend gegen Erkältung hilft und, sollte es doch zur Erkrankung gekommen sein, diese auch schneller wieder abklingen lässt. Die Holunderbeeren bringen Inhaltsstoffe wie Anthocyane, Mineralstoffe, B-Vitamine und Vitamin C mit, allerdings auch den Giftstoff Sambunigrin. Daher sollte der Holundersaft einmal auf mindestens 80°C erhitzt werden. Jedoch sollte der Saft nicht kochen, denn dann gehen viele von den hilfreichen Inhaltstoffen ebenfalls verloren. Süßen kann man den Holundersaft zum Beispiel mit Honig.

Download der Tafel als PDF (Hinweis: Seite 1 mit Blüten des Holunder, Seite 2 mit den Beeren)

Zum Weiterlesen:

NDR zu Holunderbeerensaft

Heilpflanzen-Lexikon der Apothen Umschau

Für Spezialist*innen

Harokopakis, E., Albzreh, M. H., Haase, E. M., Scannapieco, F. A., & Hajishengallis, G. (2006). Inhibition of proinflammatory activities of major periodontal pathogens by aqueous extracts from elder flower (Sambucus nigra). Journal of periodontology77(2), 271-279.

Ulbricht, C., Basch, E., Cheung, L., Goldberg, H., Hammerness, P., Isaac, R., ... & Weissner, W. (2014). An evidence-based systematic review of elderberry and elderflower (Sambucus nigra) by the Natural Standard Research Collaboration. Journal of dietary supplements11(1), 80-120.

2. Honigbienen

Da Honig hilft Hustenleiden zu lindern, ist er eine gute Ergänzung zum Saft des Schwarzen Holunders. Zum Hauptteil besteht Honig aus Wasser und Zucker. Er bringt aber auch B-Vitamine, Vitamin C und Mineralien wie Magnesium, Kalzium und Zink mit.

Eigentlich ist Honig aber nicht vorwiegend ein Lebensmittel für Menschen sondern für die Honigbiene. Ganz vereinfacht erklärt fliegen die Honigbienen aus und sammeln den Nektar aus verschiedenen Blüten indem sie ihn in ihren Körper aufnehmen. Im Körper der Biene kommt der Nektar mit einigen Enzymen in Kontakt, die Honigproduktion beginnt. Die Honigbiene lagert den Honig, nach ein paar Umlagerungsprozessen, in Honigwaben ein.

Um dies zu tun brauchen Honigbienen ein ausreichend großes Gebiet mit einem ausreichenden Angebot an Blühpflanzen. Verschiedene Faktoren führen dazu, dass diese immer weniger zu finden sind. Zum einen durch die industrielle Landwirtschaft, Erschließung von Flächen für Wohnraum, Verkehr und Industrie aber auch durch den Klimawandel. Dies bedeutet nicht nur dass Bienen weniger Honig produzieren, sie sterben auch in großer Zahl. Das Bienensterben hat einen starken Einfluss auf die Pflanzen, von denen sie den Nektar holt. Beim Sammelprozess bestäubt sie die Blüten und nur so können Früchte wie zum Beispiel Kirschen oder Äpfel entstehen. Honigbienen sind nicht die einzigen, die in der Natur für die Bestäubung der Blüten sorgen, aber sie übernehmen zusammen mit der Wildbiene einen Großteil dieser Funktion.

 

 

Die Honigbienen auf Kaltehofe betreut der Hamburger Imker Stephan Iblher. Den Kaltehofer Honig gibt es nun schon seit 2015 bei ihm zu kaufen. Außerdem bietet er bei der Stiftung auch Programme wie Honigverkostungen an.

Der NDR hat Stephan Iblher im letzten Jahr begleitet, die spannende Doku, auch mit Aufnahmen auf Kaltehofe, findet ihr hier in der Mediathek.

 

 

 

 

 

 

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Zum Weiterlesen

http://www.umweltinstitut.org/themen/landwirtschaft/artensterben/das-grosse-insektensterben/bienen-das-wichtigste-nutztier.html

https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/insekten-und-spinnen/hautfluegler/bienen/13676.html

https://honig-und-bienen.de/so-entsteht-honig/

 

Buch- und Filmtipps

Buch: Maja Lunde – Die Geschichte der Bienen

Buch: Rob und Chelsea McFarland - Das Geheimnis der Bienen

Dokumentation: More than honey

 

3. Insektenhotel

Auf Kaltehofe leben neben Honigbienen auch Wildbienen. Sie unterscheiden sich nicht nur im Aussehen von den Honigbienen, sondern auch in ihrer Lebensart. Während die Honigbiene in einem Bienenstaat mit mehreren tausend anderer Bienen in einem selbstgebauten Bienenstock lebt und die Königin Eier legt, lebt die Wildbiene vorwiegend alleine. Unterschlupf und Nistmöglichkeiten findet sie in kleinen Gängen und Höhlen in der Erde, im Totholz und auch in leeren Schneckenhäusern. Um sie zu unterstützen kann man zum Beispiel ein Insektenhotel bauen.

Dort kann man auch für andere Insekten wie Marienkäfer, Ohrwürmer/ Ohrenkneifer und Florfliegen Platz schaffen. Sie helfen zum Beispiel gegen Blattläuse. Neben dem geeigneten Standort muss man noch ein paar andere Dinge beachten wenn man ein Insektenhotel bauen möchte. Die Materialien müssen naturbelassen sein und dürfen nicht scharfkantig oder zersplittert sein. Vor allem müssen die Angebote artgerecht sein. Vielleicht ist jetzt auch ein guter Zeitpunkt für ein Bastelprojekt? Es gibt viele Tipps und Bauanleitungen für Insektenhotels, zum Beispiel bei unserem Kooperationspartner NABU.

Und so sieht das Insektenhotel bei uns auf Kaltehofe aus:

Und mit ein bisschen Zeit und Ruhe für Beobachtungen kann man auch Bewohner*innen entdecken.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Download der Tafel als PDF (Hinweis: Seite 2 mit Einblick in die Nistplätze der Tiere)

Zum Selbermachen

Videoanleitung des NABU

4. Wildkräuterwiesen

Ein paar Wiesen auf Kaltehofe sehen fast so aus, als wären sie beim Rasenmähen vergessen worden. Dem ist aber ganz und gar nicht so. Diese Wiesen haben eine besondere Funktion – sie schaffen Platz für möglichst viele Wildkräuter und Blühpflanzen.

Seit 2017 wurden diese Wiesen auf dem Stiftungsgelände ausgeweitet. Die Wasserkunst und Hamburg Wasser unterstützen damit das Projekt „Aurora – Stadt der Schmetterlinge“ des NABU Hamburg. Ziel  des Projekts ist die Schaffung von Lebensräumen für Schmetterlinge - der Aurorafalter ist nämlich ein Schmetterling. Für Kaltehofe wurde ein Konzept entwickelt, welche Flächen zum Schutz der Schmetterlinge dienen und welche Wiesen weiter von Besucherinnen und Besuchern als Liege- und Spielflächen genutzt werden können.

Daher wurde die Mahd, also das Mähen der Wiesen, an den Lebensrhythmus der Schmetterlinge angepasst. So wird das Wachstum von nektarreichen Kräutern gefördert, die die Lebensgrundlage der Falter sind. Diese spezielle Mahd setzt etwas oberhalb des Bodens an, um die dort lebenden Tiere nicht zu verletzten. Nach kurzer Zeit wird alles was abgemäht wurde von den Wiesen entfernt. Die Nährstoffe, die die Pflanzen während ihres Wachstums aufgenommen haben, gehen so nicht wieder in den Boden zurück. Denn die Böden haben heutzutage oft zu viele Nährstoffe. Das klingt erstmal gut. Es sorgt allerdings dafür, dass die Pflanzen die sich am schnellsten vermehren und wachsen, die anderen Pflanzen verdrängen und letztendlich die Wiesen dominieren. Dadurch werden zum Beispiel die Kräuter verdrängt, die Schmetterlingen Nahrung und Möglichkeit für die Eiablage bieten.

 

Doch auch andere Insekten profitieren vom Angebot nektarreicher Pflanzen. Auf Kaltehofe gibt es sowohl Honig- als auch Wildbienen. Auch wenn die Wildbiene keinen Honig produziert, braucht sie doch den Blütennektar zum Überleben. Wild- und Honigbienen sind also Konkurrentinnen um den Nektar. Damit sie friedlich nebeneinander leben können, braucht es ein ausreichendes Angebot. Mit den Wildkräuterwiesen steuert die Wasserkunst einen Teil dazu bei. So können sich Schmetterlinge und Bienen auf Kaltehofe zum Beispiel über Pflanzen wie Klee, Disteln und Schafgabe freuen.

Auf dem eigenen Balkon oder im Garten können sehr gut Wildkräutersamen für Insekten gesät werden. Wichtig ist dabei, dass es sich um heimische Arten wie zum Beispiel Ringelblumen handelt. Denn nicht einheimische Arten können durchaus invasiv sein, das heißt sie vermehren sich schnell und verdrängen einheimische Arten die oftmals einen höheren Nutzen für das heimische Ökosystem haben.

Wildkräuter sind nicht nur für Tiere gut, auch Menschen profitieren von ihnen. Brennnessel und Johanniskraut können zum Beispiel als Teekraut verwendet werden. Unsere Expertin Wiebke Krause bietet auf Kaltehofe Wildkräuterführungen an, bei denen es darum geht die verschiedenen Kräuter kennenzulernen und unterscheiden zu können. Ab 2020 bietet die Umweltwissenschaftlerin „Achtsame Wildkräutererkundungen“ auf dem Gelände an.

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Zum Weiterlesen

Projekt "Auroa - Stadt der Schmetterlinge des NABU Hamburg

Balkon und Garten für Wildpflanzen nutzen - NABU

Schmetterlinge im Garten und auf dem Balkon - BUND

Wofür sind Schmetterlinge da? Schule & Familie

 

5. Ökosystem Gehölz

Wälder leisten sehr viel: Still und unsichtbar produzieren sie Sauerstoff und reinigen die Luft, filtern Wasser, schützen vor Erosion und sind auch noch Lebensraum für andere Pflanzen, Vögel, Insekten, Säugetiere, Reptilien und Pilze. Auch wenn ein Baum stirbt, ist er als Totholz immernoch ein wichtiger Bestandteil des Ökosystems Wald. Denn das Totholz bietet Nahrung für Würmer und Insekten, Unterschlupf, Baumaterial. Es wird schlussendlich zu Kompost und nährt den Wald.

 

Einen richtigen Wald gibt es auf Kaltehofe noch nicht, er ist noch in der Entstehung. Als die Filtrationsanlage fertig war, wurden rundherum Hecken und Obstbäume gepflanzt. Das Gelände selbst wurde gepflegt und so wild wie heute war es lange Zeit nicht. So lange die Anlage in Betrieb war, wären viele Bäume dem Treiben eher im Weg gewesen. Nach der Schließung 1990 vermehrten sich die Sträucher und bestehende Bäume, weitere kamen hinzu. Die Samen von Birken, Erlen und Weiden wurden durch Wind oder Vögel eingetragen. Es sind Bäume, die generell gut mit eher feuchten bis nassen Gebieten umgehen können. Vor allem wachsen sie relativ schnell. Durch den Mix an Gehölz, also Bäumen und Sträuchern, entstand Raum für viele andere Lebewesen: Vögel nutzen die Kronen der Bäume und die Sträucher zum Nisten, suchen Schutz vor Raubvögeln oder selbst nach Nahrung wie Insekten und Würmern die in oder an den Hölzern leben. Auch die Früchte der Brombeeren sind eine leckere Mahlzeit. Diese breitet sich scheinbar unaufhaltsam aus, denn sie liebt die hellen bis halbschattigen Bereiche der Waldränder. Wird der Wald zu dicht und es unten zu dunkel, dann ist sie weniger vertreten.

 

Amphibien schätzen das eher feuchte Klima und ziehen sich gerne ins Gehölz zurück wenn die Sonne gerade alles gibt. Ein weithin hörbarer Bewohner Waldes und auch des Gehölzes auf Kaltehofe ist der Specht, der mit seinem Schnabel gegen das Holz schlägt um Nahrung zu suchen, sein Revier abzustecken, nach einem Partner zu suchen oder eine Nisthöhle zu bauen. Sein Schnabel ist speziell geformt um die Stöße gegen den Schädel etwas zu dämpfen. Auf Kaltehofe sieht und hört man meist den Grünspecht.

Download der Tafel als PDF (Hinweis: Seite 2 mit Blick unter die Tafeklappe)

Zum Weiterlesen

Schutzgemeinschaft Deutscher Wald - Was ist Wald?

NABU - Spechte im Vergleich

BUND - Brombeere (PDF Dokument)

Buchtipp

Nicola Kuhrt und Irene Meichsner - Warum kriegt der Specht kein Kopfweh? 100 Geheimnisse des Alltags und ihre verblüffenden Erklärungen

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